Die Folgen des Weins

Die Glieder sind schlaff, der Kopf ist taub und der Magen reagiert empfindlich auf rasche Bewegungen. Ja, Chris und ich waren Montag Nacht im Stall 6 und hatten etwas zu feiern. Es hatte harmlos begonnen. Ein Glas Rum beim Kochen, ein paar Gläser Rioja zum Essen mit der Freundin und dann spontan noch raus. Chris traf ich bei der Sihlpost, von wo wir durch den eiskalten Regen in die Dancehall flüchteten. Mit der nötigen Ausdauer fanden wir heraus, welcher der aufgelisteten Weine am besten schmeckt und blieben dann dabei. In Diskussionen vertieft, raste die Zeit vorbei und das letzte Tram war längt abgefahren. So stiegen wir in ein Taxi. Auf dem kurzen Fussweg vom Helvetiaplatz nach Hause prallte ich aus Versehen zweimal seitlich gegen eine Hausmauer. In meiner Wohnung angelangt, kam es dann so, wie es kommen musste. Ich kann nur so viel sagen, es gab einiges zum Aufwischen.

 

Am nächsten Tag war es dann umso anstrengender, sich aufzurappeln und den Weg nach Basel auf sich zu nehmen. Aus Gründen, die ich im letzten Eintrag schon genannt hatte, befindet sich Mr. Mento, unser Mischer, zuweilen in Ecuador. Da wir nun die separaten Riddim- und Vokal-Spuren fürs Mastering brauchten und zudem noch geringfügige Änderungen anstanden, reisten wir nach Kleinhüningen, wo das Studio der Scrucialists liegt. Wir hatten die vergangene Nacht noch in den Knochen und auf unseren Gesichtern lag ein etwas verkrampfter Ausdruck. Ich war schon länger nicht mehr in Basel gewesen und achtete deshalb umso genauer auf den Akzent, den Franz Hohler mal als vornehm beschrieben hatte. Was ich um mich herum hörte, war aber entweder ausländisch geprägt oder in zusammengewürfeltem Schweizerdeutsch. Die Globalisierung war also auch hier angelangt.

 

Eric, der Studiopartner von Mr. Mento und Schlagzeuger von The Scrucialists, empfing uns nach einer telefonischen Wegbeschreibung am Strassenrand. Ich hatte vor Jahren schon mal mit ihm an einem Singjay-Linkup gespielt, konnte mich aber nicht mehr wirklich an sein Aussehen erinnern und ihm ging es ähnlich. Das Studio der Band, die nächstes Jahr ihr 15. Jubiläum feiert, erreichten wir über eine gusseiserne Wendeltreppe, die ins Untergeschoss führt. Eric öffnete die Dateien und Mr. Mento gab aus Ecuador via Skype einige Anweisungen. So kamen wir schnell voran und die Atmosphäre war entspannt. Ausserdem ging es meinem Magen, seit ich zuvor am Bahnhof in eine salzige Frikadelle gebissen hatte, wieder besser und meine Lebensgeister kehrten langsam zurück.

 

Bevor wir gingen, führte uns Eric noch die verschiedenen Räume und wir standen eine Weile vor der Wand mit den Plakaten. Wir waren beeindruckt von den Namen, mit denen The Scrucialists schon live auf der Bühne standen. Lady Saw und Ward 21 sind nur zwei davon. Mit den Songs auf unseren Sticks machen wir uns auf den Weg zurück nach Zürich und sind erleichtert. Ein weiteres Problem ist gelöst.

Fazit: Alkohol ist böse, aber wie langweilig wäre das Leben, wenn man nicht hin und wieder über die Stränge schlüge.

 

 

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