Clash-Winner

Chris Obasi erfuhr kurzfristig, dass er das Wochenende durcharbeiten musste und dann fand ausgerechnet an diesem Samstag noch der lang erwartete erste Schweizer Singjay-Clash statt. Neben Chris Obasi waren Namen gelistet wie Baba The Fayahstudent, Collie Herb, Zia Bondaa, MG Florentine, Raszor Brankata und Jr. Bardo. Ich wusste, dass Chris ausgeschlafen sein musste, um sich gegen diese Gegner zu behaupten. Und er hatte sich zu behaupten, denn schliesslich hatte er nichts Geringeres als die Ehre von Etobasi zu verteidigen. Am meisten Sorgen machte ich mir ehrlich gesagt, dass die Jury und das Publikum Chris zu sehr als Rapper und zu wenig als Singjay wahrnehmen könnten. Aus diesem Grund sagte ich ihm in unseren Sparrings vermehrt, er solle doch etwas mehr Melodie und Power in die Stimme geben, was nicht immer nur gut ankam.

Ich meinerseits hatte Halsschmerzen vom letzten Wochenende, vom verregneten, in acht verschiedenen Weinkellern von Wully verbrachten Bluesfestival. Ich fühlte mich etwas abgekämpft und nahm mir vor, durchzuhalten, denn den Singjay-Clash wollte ich auf keinen Fall verpassen. Chris war schon früher dort, meine Freundin war zu müde, um mitzukommen, und so stand ich alleine auf der Rolltreppe, die hinunter auf die Gleise führt. Aber alleine blieb ich nicht lange, denn am Fuss der Rolltreppe traf ich bereits auf Convict Bingy und Collie Herb, Letzterer war ja ein potenzieller Gegner von Chris. Als wir wenig später im Zug sassen und Collie sich Tee aus einer Thermosflasche eingoss, hatte ich eine Idee. Ich bat ihn um einen Schluck davon und schwächte ihn somit hinterlistig mit den Bazillen aus meinem entzündeten Hals. Bingy bekam davon nichts mit, denn er versteckte sich derweilen auf dem Klo vor den Kondukteuren.
Kurz vor 22 Uhr standen wir dann vor der Kulti in Wetzikon. Es waren schon Leute da, aber noch nicht allzu viele, denn das Reggae-Dancehall-Publikum weiss: Wenn auf dem Flyer 22 Uhr angegeben ist, kann man getrost eine Stunde dazurechnen und kommt immer noch mehr als rechtzeitig. Ich vertrieb mir die Zeit mit interessanten Gesprächen, Spliffs und Rum mit Wasser. Auf einmal fühlte ich mich fit wie ein junges Reh, hatte keine Halsschmerzen mehr und nahm an, dass sich jetzt wohl Collie Herb damit herumzuschlagen hatte. Chris befand sich wohl Backstage und ich war aufgeregt wie ein Fussballfan kurz vor dem Anpfiff.
Dann machte sich endlich die Backingband The Liberators hinter die Instrumente und Giuzz, der den Clash leitete, begann seine Moderation: Leider habe der eine Singjay nicht kommen können und deshalb sollen nun zwei aus dem Publikum um seinen Platz fighten. Ich ignorierte die Aufforderungen um mich herum anfangs, konnte mich aber nicht wiedersetzten, als ich am Kragen meiner Jacke an den Bühnenrand gezerrt wurde. Wenig später stand ich mit meinem Kontrahenten im Scheinwerferlicht, es war niemand anderes als Bingy. The Liberators spielten einen langsamen Reggae-Tune und ich musste den Anfang machen. Ich war natürlich nicht vorbereitet und versuchte mein Glück mit Freestyles. Ich fand mich gar nicht mal so schlecht, aber das Publikum stimmte schlussendlich für Bingy, was mir ganz recht war, denn ich war als Zuschauer hier hergekommen und nicht als Artist.
Chris Obasi hingegen war als Artist gekommen und nicht als Zuschauer und so wusste er sich dem gut gefüllten Saal auch zu verkaufen. Schon in der Begrüssungsrunde zeigte er sich wortgewandt und voller Energie und ich war überzeugt, dass er es heute weit bringen konnte, wenn er es schaffte, das Level beizubehalten. In der 1. Clash-Runde traf Chris Obasi auf Collie Herb und schoss mit Freestyle-Sprüchen wie:
„Dini Styles sind verbi und das scho lang /ich zeige dir paar neui Styles woni han/“
oder mit abgeänderten Textpassagen wie:
„Im Quartier woni repräsentier/ wännd d’Lüt nüt wüsse vo dir/
Nöd emal e Handvoll Lüt da verstaht di/ Und ich fräg mi, schämsch di nöd zum überhaupt da si/“
Alles in allem schaffte es Chris, das Publikum auf seine Seite zu ziehen und war somit eine Runde weiter. Neben ihm qualifizierten sich Baba the Fayahstudent, Raszor Brankata, und Junior Bardo, der sich etwas überraschend gegen Zia Bondaa durchsetzte.
Ich stand mitten im Saal, unterstütze lauthals und mit steigendem Alkoholpegel meine Favoriten, allen voran natürlich Chris Obasi. In der 2. Runde, welche sogleich das Halbfinale war, musste Chris gegen den jungen Jr. Bardo ran. Eigentlich schien der Fall klar, denn Jr. Bardo wirkte noch unerfahren, hatte den Blick konstant gegen den Bühnenboden gerichtet und war lyrisch wie rhythmisch nicht immer auf der Höhe. Dennoch hatte er irgendwas an sich, das den Leuten (oder mindestens seiner Fangemeinde) gefiel, und so wurde es knapper als anfangs angenommen. Schliesslich zerschmetterte Chris Obasi die Hoffnungen von Jr. Bardo aber mit einem knallharten Obama/Romney-Vergleich. Für diesen Spruch entschuldigte er sich aber gleich anschliessend und wies darauf hin, dass hier alle auf 180 seien und da schon mal so was rausrutschen kann. Hier auf der Bühne sei zwar Krieg, aber im Backstage sässen sie alle friedlich beisammen, ergänzte er. Ich schwankte schon gefährlich und war ausser mir – Chris Obasi war im Finale! Im zweiten Halbfinale bezwang der heimliche Favorit Baba The Fayahstudent ohne grosse Mühe den interessanten, aber etwas zu bekifften Raszor Brankata.

Das Finale war hitzig, energiegeladen und liess nichts zu wünschen übrig. Baba versuchte Chris einzuschüchtern, indem er Chris beim Toasten immer sehr nahe auf die Pelle rückte, aber Chris Obasi wusste das gekonnt zu thematisieren und so zu seinem Vorteil zu drehen. Wie zum Beispiel:
„Musig isch das wasi überall debi han/ chum mer nöd z’näch bevori mal dri schlahn/“
Oder:
„Gimmer Platz willi Platz bruuch/ und weisch was, mich stört chli din Mundgruch/“
Oder auch:
„Wieso chunnsch immer so näch, ich weiss scho du häsch mi gern/
„Aber lug wenn ich am Mic bin, denn mached die Lüt Lärm/“
Ja, Chris war in Topform, brachte eine Punchline nach der anderen und erfand Styles, die ich zuvor noch nie von ihm gehört hatte. Aber auch Baba war in seinem Element, hüpfte in seinem weissen Nadelstreifen-Anzug die Bühne auf und ab und liess nichts unversucht. Meistens befanden sich die beiden auf Augenhöhe, aber Chris hatte die Verständlichkeit auf seiner Seite. Wie zu Beispiel mit:
„Suscht singsch vo Friede und vo Liebi/ aber plötzli mischisch dich inen Chrieg i/                          
ich bite nöd will ich kein Dieb bi/ nöd so wie du, ich ha mini eigne Liedli/“
Oder:
„de Siech isch so dünn, de Siech hät kei Muckies/ schicked mer lieber de Cookie/“
Oder auch:
„Ich bin kein Student also chum mi nöd go teschte/ Chris Obasi ghört ganz klar zu de Beschte/
Am Baba sin Style chunnt no vo vorgeschter …“
Oder eben auch:
„Alli liebed de Chris Obasi am Mic/ aber keine verstaht was de Baba genau seit/“
Baba wehrte sich tapfer, machte Druck und heizte dem Publikum ein. Vor allem in den längeren Passagen verlor er aber zunehmend an Intensität und konnte das Urteil der Jury nicht mehr abwenden. Nach drei Runden gewann Chris Obasi mit 2 zu 1 Punkten und stemmte verdient den Pokal in die Höhe.
Fazit: Der erste Schweizer Singjay-Clash war ein voller Erfolg. Die Moderne siegte über die Roots und irgendwie stimmt mich das zuversichtlich für die Zukunft des Schweizer Dancehall.

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Kommentare: 14
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