Guinness und Folk

Ich sitze im Flugzeug, das in Dublin gestartet ist und sich nun Zürich nähert. Ich wage mich an meinen allerersten Blogg-Eintrag und die Durchsagen über Sicherheitsgurt-Anzeigen und Sandwich-Angebote, jeweils in mehreren Sprachen wiederholt, machen mein Vorhaben nicht gerade einfacher. Meine Gedanken sind unsortiert und irgendwie hoffe ich mit dem wöchentlichen Schreiben dieser Texte immerhin ein wenig Struktur hinein zu bekommen. Aber was ist es schon wert erzählt zu werden? Ich weiss nur eins, nämlich dass nonchalant dahingeworfene Sätze nicht ausreichen. Was also? Mittlerweile weiss zwar wie man Songs und Romanpassagen schreibt aber wenn es ums Verfassen von Tagebuchseiten oder journalistischen Texten geht, bin ich völlig unerfahren. Dieser erste Eintrag wird die Entscheidung mit sich bringen, ob ich meinen Plan durchziehen und jede Woche etwas Ähnliches wie das hier in die Tastatur tippen möchte.

In der letzten Woche machte sich in Zürich unmissverständlich der Herbst bemerkbar und so taten mir die paar Tage in Dublin gut auch wenn das Wetter dort noch herbstlicher war als zu Hause. In einem Zusammenspiel von Reiseführer und der guten alten Spontanität durchstreifte ich mit Nina an meiner Seite die Stadt, schluckte am frühen Nachmittag mein erstes Guinness und das Zweite liess nie lange auf sich warten. Es war also nicht bloss ein Gerücht, in dieser Stadt dreht sich alles ums Guinness. Irgendwo fand ich sogar ein Glace mit Guinness-Aroma, was ich an dieser Stelle aber nicht weiterempfehlen möchte. Ein Besuch bei der Schaubrauerei habe ich leider verpasst, dennoch mochte ich es nicht missen ein wenig mit weltmännischem Wissen aufzutrumpfen. So hat das Irische Guinness im Vergleich zum Afrikanischen (8,8 % vol ) einen lächerlichen Alkoholgehalt von 4,1% vol. Kein Wunder also dass der durchschnittliche Ire viel mehr Guinness verträgt als durchschnittliche Afrikaner. Auch wenn man es mir nicht zutrauen würde, gab es in Dublin auch noch anderes als Bier, das mein Gefallen fand oder wenigstens mein Interesse weckte:

-Nämlich die Bewohner, denen es gleichgültig zu sein schien, ob sie nass würden und bei 15 Grad mit T-Shirt und Shorts bekleidet, gemütlich weitertrotteten, wenn es wie aus Kübeln zu giessen begann.

-Nämlich die alten Burg-ähnlichen Gebäude, die schmalen Gassen mit den überdurchschnittlich guten Strassenmusikern alle paar Meter.

-Nämlich die emotional aufgeladenen Autofahrer, die gerne mal den Stinkefinger aus dem geöffneten Seitenfenster streckten oder etwas ähnliches wie “you know that i’m fucking right“ denjenigen zubrüllten die nicht rechtzeitig auf der anderen Strassenseite waren. Am meisten aber berührten mich die Abendlichen Live-Musik-Sessions in den Pubs. Ja, ich mag die kernigen Lebensnahen Folksongs über Liebe, Unvollkommenheit, Gewalt, Alkohol und Sehnsucht. Und ja, ich mag auch die tiefen, rauen Stimmen, die diese Songs singen. Ein wenig machte es mich eifersüchtig, daheim nicht auf ein vergleichbares musikalisches Erbe zurückgreifen zu können und ich fragte mich, was in der Schweiz diesbezüglich wohl schief gelaufen war. Nina meinte, es würde vielleicht daran liegen, dass die Schweiz im Gegensatz zu den Iren keine Seefahrer gehabt hatten, die heimgekehrt waren und etwas zu erzählen wussten. Die Schweizer Alltag hatte weniger Platz für Individualität, die Bauern mussten sich um ihre eigene kleine Welt kümmern und deshalb handeln die traditionellen Schweizer Lieder auch mehr von idyllischen Landschaftsbildern und weniger vom richtigen Leben. Kann gut sein, sagte ich.

Mit Gedanken daran, wie merkwürdig die Schweiz aus der Distanz doch wirkt, schaue ich aus den kleinen ovalen Fensterchen. Unter einer dünnen Dunstschicht glaube ich die Themse zu erkennen. Weil die Durchsage aber bereits den Landeanflug in Zürich-Kloten ankündigt und die Passagiere anschliessend bittet, die Sicherheitsgurte anzulegen und die Sitze in aufrechte Position zu bringen, weiss ich, dass es sich vorhin anscheinend doch eher um den einheimischen Rhein gehandelt haben musste.

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Kommentare: 1
  • #1

    Rolf (Sonntag, 02 Dezember 2012 12:53)

    Mmh guinnes

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